Auf einen Blick

Die Untersuchung bietet einen Überblick über die Themen, Thesen und Forderungen, die Kinder und Jugendliche heute an Kirche, Politik und Gesellschaft stellen. Hierfür fanden an die 30 Veranstaltungen mit mehr als 2200 junge Menschen im Zeitraum von Januar bis Juli 2017 statt. Kernthema der Untersuchung war die Anliegen der jungen Menschen zu erfassen und in für Amts- und Entscheidungsträger wahrnehmbar zu machen. Die Studie bietet sich als Ausgangspunkt an, weitere Nachforschungen anzustellen und gibt Hinweise auf ungeklärte Fragen und Begriffe, die eine Konkretisierung notwendig machen.

» Der Begriff „Kirche“ wird unterschiedlich interpretiert (Institution, Gottesdienst, Gebäude, etc.). Der Gottesdienst als Ausdrucksform ist für viele Befragte unattraktiv. Kirche soll mehr Verantwortung für Randgruppen übernehmen.

» Gleichberechtigung, Frieden und Gerechtigkeit: Politik muss bei Ihren Aufgaben auf die Bürger hören und steht vor großen Aufgaben, die auch so wahrgenommen werden.

» Wenn Gesellschaft gelingen soll, ist Respekt und die Achtung vor dem Anderen oberstes Gebot. Dabei geschieht ein Ringen mit den Anforderungen und Werten, die gemeinsam ausgehandelt werden. 

Hauptaussagen im Bereich Kirche

Hauptaussagen im Bereich Politik

Hauptaussagen im Bereich Gesellschaft

Die Kirche gibt es für die Zielgruppe nicht. Der Erfahrungshorizont bestimmt dabei maßgeblich die Einschätzung der Aufgaben und Sichtbarkeit von Kirche:
Kirchliche Gruppen (in erster Linie Konfirmanden) sowie Grundschüler erleben Kirche vor allem beim Gottesdienst und wünschen sich hier mehr Modernes und Angebote
für sich. Kenntnis über das bereits Angebotene besteht eher nicht.

Kirche muss caritative Aufgaben übernehmen und sich um Menschen sorgen: Der Zusammenhang zwischen kirchlicher Wohlfahrtspflege und Kirche ist unbekannt.
Junge Menschen wünschen sich Halt und einen Zufluchtsort.

So wird eine generelle Offenheit gefordert sowie als Steigerung davon der „Respekt vor Wahrheit“ anderer Religionen und Glaubensrichtungen. Diese Begegnung der Religionen spiegelt sich im Alltag der jungen Menschen wider und ist oftmals geprägt von Wertschätzung und Ausdruck einer Suchbewegung.

Die Pauschalität dieser Hauptaussage ist nicht von der Hand zu weisen. Dennoch soll der Wunsch der jungen Menschen nach einer moderneren Kirche abgebildet werden. Dabei wird nur sehr selten präzisiert, was Jugendliche als „modern“ bezeichnen. Einerseits wird die technische Ausstattung der Kirchen bemängelt, andererseits wird angemahnt, dass manche Haltung der Kirche aus einer längst vergangenen Zeit zu stammen scheint. Ein Zusammendenken des Zusammenhangs vom Wunsch nach Moderne und den über Jahrhunderten entstandenen Traditionen kann nicht nachgewiesen werden.

Seit 2015 ist die Thematik der Menschen, die flüchten müssen, deutlich präsent. Dies spiegelt sich auch in den Thesen und Wünschen wider, wobei sich die gesamte Bandbreite der
Meinungen, die im gesellschaftlichen Kontext vorkommen, auch in dieser Untersuchung abbildet. Es werden deutlich die beiden Pole sichtbar, wobei die Aussage „keine Flüchtlinge ins Land lassen zu wollen“ von einer deutlich geringeren Anzahl gefordert wird, als pauschal allen Menschen, die in Deutschland leben wollen, dies auch zu gestatten. Die etwas differenziertere Betrachtung hinsichtlich der Fluchtursachen kommt vergleichsweise selten vor.
Bei der Themenstellung „Flüchtlinge“ zeigt sich das deutliche Bild, dass hier eine Positionierung teils auch vermieden wurde

Immerhin jede Zehnte der abgegebenen Thesen beinhaltet die Forderung von Gleichberechtigung. Eine Differenzierung hinsichtlich der Zielgröße der Forderung ist nur bei einem Drittel der Thesen in diesen Themenbereich getroffen worden. Am ehesten wird eine ungleiche Behandlung hinsichtlich der Einkommensverhältnisse bemängelt.

Auf direkte Nachfrage im Rahmen der Erhebung und der Bitte nach Konkretisierung wurde zumeist bemerkt, dass es im „Grunde alle betreffen müsse“ und man da nicht spezifizieren sollte.

Diesem entsprechend fordert mehr als ein Drittel der hier abgebildeten Thesen einen verstärkten Kampf gegen Rassismus und die Anerkennung eines jeden Einzelnen.

Dass Politik in der Wahrnehmung der Befragten sich oft nicht am Bürgerwillen orientiert, ist ein mehrfach wörtlich genannter Vorwurf. Damit einhergehend wird teils unterstellt, dass sowohl die Berichterstattung wie auch am politischen Leben Teilnehmende wichtige Fakten rund um die aktuellen Leitthemen zurückhalten oder bewusst verfälschen. Ehrlichkeit als eine Grundtugend und Basis für gelingendes Zusammenleben – auch im politischen Sinne – wird mehrfach gefordert.

Mehr als ein Viertel aller abgegebenen Thesen im Bereich Politik fordern die Akteure der Politik auf, sich für Frieden einzusetzen. Damit einhergehend wird gefordert, gegen Terror vorzugehen. Insbesondere die jüngeren Teilnehmer beschreiben, dass Kriege beendet werden sollen. Es wird deutlich, dass die älteren Teilnehmer hier die Aufgabe der Politik eher darin sehen, Frieden zu stärken.

Es bestehen Tendenzen, dass einem einheitlicheren Schulsystem bis zu einem späteren Zeitpunkt durchaus positive Effekte unterstellt werden. Diese Forderung wird ausschließlich von den jugendlichen Teilnehmern formuliert. Eine Unterscheidung hinsichtlich der Erhebungsform – also Schulform – ist in den Ergebnissen der Untersuchung nicht belegbar.

Ein Miteinander, das gelingt, wird von den Befragten mit unterschiedlichen Begrifflichkeiten umschrieben. Respekt stellt dabei die höchste Form dar.

Ein Viertel der Aussagen zum Bereich Gesellschaft sieht darin die Antwort auf die Frage nach einem gelungenen Miteinander. Für die jungen Menschen steht Respekt auch dafür andere Menschen nicht auszugrenzen, sei es nun aufgrund deren Herkunft, sexueller Neigung oder auch Religion. Sie begründen das Recht des Anderen auf dessen Meinung oder Einstellung damit, selbst dieses Recht für sich zu beanspruchen.

 

Die Hauptaussage „Kein Krieg“ als Voraussetzung für gelingendes Zusammenleben ist in mehrerlei Hinsicht deutbar: Diese Aussage wurde in erster Linie von jüngeren Teilnehmern getroffen. Es scheint, als ob gerade diese die aktuelle Situation als „nicht friedlich“ empfinden. Diese beschreiben zudem Streit als die Vorstufe zu Unfrieden und definieren deren
eigenen Einsatz für Frieden dahingehend, dass sie selbst Streit vermeiden wollen. Die formal höher gebildeten Teilnehmer (definiert nach Erhebungsform) legen im Gegensatz zu allen anderen hierauf keinen Schwerpunkt. Eine eigene Meinung definieren – gerade auch im Zusammenhang mit dem Anerkennen des Anderen – wird als notwendig für das friedliche Zusammenleben betrachtet.

Eine Vielzahl von Aussagen fordert, sich füreinander einzusetzen und gegen Vorurteile einzutreten. Familie und Freunde als Basis für gutes Miteinander wird ebenso beschrieben wie die Notwendigkeit, einander zu vertrauen. Damit einher geht der Wunsch nach Hilfsbereitschaft.
Es zeigt sich: Kinder und Jugendliche sind interessiert daran, gemeinsam für ein gutes Miteinander einzutreten und sich – nach ihren Möglichkeiten – hierfür zu engagieren.

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